Typischer Seemannsgarn

Hier eine kleine Abenteuergeschichte:

Hi, Ho, liebe Abenteurer, ich bin ein Wikinger, kurz Wiki genannt und fahre mit meiner Insel über die Meere Escarias.

Ja das stimmt: Ich kann mit meiner Insel übers Meer fahren und habe sogar einen Turbo, einen Inselbeschleuniger, der die Geschwindigkteit noch verdoppelt. Greift mich eine Pirateninsel an, so werfe ich etwas Holz in den Turbo und weg bin ich. Wenn man weit genug wegkommt, muss man nicht um Rohstoffverluste und Inselzerkleinerung fürchten.

Heute möchte ich von meiner letzten Seereise erzählen: Also ich schipperte grade so über die Gewässer von Escaria, ziemlich nordöstlich des Meeres. Um genau zu sein: Ich war schon 4 Tage und 4 Nächte unterwegs - ohne einen Verlust. Nochmal solange würde die Fahrt dauern, bis ich mit meiner Ladung, mit Eisen und Nahrung, Stein und Holz am Zielort ankommen würde. Dort warteten schon meine Gildenmitglieder, Inselbesitzer, welche sich auf mich verlassen konnten und die dringend Rohstoffe benötigten.

Eine leichte Prise trug mich weiter. Es war Sonntag und in der Vormittagssonne genoss ich die Ruhe und Abgeschiedenheit. Da plötzlich ruckte die Insel. Nicht nur mein Trinkbecher rollte vom Tisch, Nein! es gingen auch 4 Fässer Met über Bord. So stark war der Schlag!

"Was kann das nur gewesen sein?", dachte ich. Doch da war nichts. Es war alles so ruhig wie vorher.

Ich sah auf die Instrumente. Auf der Anzeige war breit und deutlich eine Inselquelle zu sehen - und das auf hoher See!

"Das war doch nicht möglich!", dachte ich. "Die Anzeige musste durch den Schlag kaputt gegangen sein." Ich schaute wieder auf die Anzeige. Sie leuchtete und war aktiv.

"Hm, hier gab es doch nirgends eine Inselquelle", dachte ich, "nur Wasser, soweit das Auge reicht." Da bemerkte ich noch eine laufende Uhr: 23:56:23; 23:56:22;... Stunden.

Eine rückwärtszählende Uhr?
War es doch kein Irrtum?
Sollte es etwa eine...?

Das bedeutete nichts anderes als: Meine Insel hatte eine 24-Stunden-Inselquelle gerammt. Eine 24-Stunden-Quelle ist keine gewöhnliche Inselquelle. Sie ist verzaubert und birgt unabsehbare Gefahren!

Dazu muss ich sagen: "Plünderalles", ein guter Freund von mir, hatte mir oft von seinen Reisen erzählt. Und einmal, auf einer gemeinsamen Reise, als der Neumond schien und der letzte Met durch unsere Kehlen geflossen war, erzählte er mir von dieser eigenartigen Inselquelle: Der Inselquelle, welche nur für 24 Stunden auftaucht.

"Diese Inselquelle ist wie ein Riff," sagte er. "Man kann über sie 400 oder 4000 mal hinwegfahren und bemerkt sie nicht. Aber von Zeit zur Zeit kommt sie für genau 24 Stunden hervor."
"Und sie ist ein Wunder." sagte er. "So bekommt man in dieser Quelle jede Stunde Inselteile. Auf diese Art kann man seine Insel schneller vergrößern"
"Diese Inselquelle," sagte er", erfüllt viele Wünsche!"

Ich fragte Plünderalles was der Preis für die Erfüllung der Wünsche sei? Niemand bekommt etwas einfach so geschenkt!

Da antwortete er: "Ja, diese Quellen sind gefährlich. Beim Hinein- und Hinausfahren kann einiges zu Bruch gehen. Und nicht nur zu Bruch gehen."

Ich fragte Ihn: "Wie gefährlich?"

"Nun", sagte er. "Ich habe damals über 40 Seemänner verloren, welche starben oder spurlos verschwanden. Auch wenn sie wegen ihrem Zauber jeden Inselfahrer magisch anziehen" sagte Plünderalles "das sind tückische Dinger, die man tunlichst meiden sollte!" Dann schlief er ein. Ich konnte ihn nicht mehr aufwecken und brachte ihn in seine Koje.

Am nächsten Tag sprach ich Plünderalles nochmal darauf an, ob die Gefahr wirklich so groß wäre, in die Quelle zu fahren? Da gab er mir einen eingerollten, versiegelten Brief, welchen ich nur in höchster Not öffnen sollte.

Ich bohrte noch nach, welches Geheimnis der Brief verbirgt, konnte ihm aber kein weiteres Wort mehr entlocken. Er warf mir einen Blick zu, der mir sagte: kein Wort mehr darüber, wenn wir Freunde bleiben wollen. Jedoch sah ich auch die blanke Furcht in seinen Augen.


Seither hielt ich seine Geschichte für eins von den vielen Phantasien, die man bekommt, wenn man zu lange alleine auf dem Meer umherirrt. Doch die Angst in seien Augen und der Brief in meiner Tasche ließ mich die Geschichte nicht vergessen.

Da ich schonmal in der Inselquelle war, nahm ich es wie es ist und legte einen Halt ein. Ich dachte: "Sorgen brauche ich mir nicht mehr zu machen, schließlich hatte ich schon 4 Fässer Met verloren, den Preis für diese zauberhafte Quelle." Das konnte ich verschmerzen.

Da sagte mir meine Anzeige, dass ich schon 4 Inselteile erhalten hatte. "Eigentlich ist es sogar phantastisch," dachte ich, "dass mir das passiert." Ich freute mich darüber und auf das, was noch kommen würde.

Jede Stunde baute ich die Inselteile an und meine Insel wuchs fast so geschwind, wie eine Möwe fliegen kann. Trotzdem machte die Arbeit sehr Müde und so legte ich nach einigen Stunden ein kurzes Schläfchen ein, um danach ausgeruht weiter Inselteile anzubauen. Kaum war ich jedoch eingeschlafen, wurde ich auch gleich wieder durch einen starken Ruck geweckt! Ich schaute sofort auf die Anzeige, aber sie leuchtete so mat wie eh und je.

Hatte ich nur geträumt?

Ich schaute wieder auf meine Anzeige. Nichts. Da schaute ich auf meine Inselgröße. Sie war um 24 Teile gewachsen. Ich hatte nicht geträumt, ich hatte vergessen, dass man in der Quelle nicht einschlafen darf! Denn wenn man einschläft, ist der Zauber vorbei. Dabei wollte ich noch mehr über diese Inselquelle in Erfahrung bringen.

Doch die Zeit war abgelaufen.

Weiter konnte ich in diesem Augenblick nicht denken. Eine schwarze Wand zog auf, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie war mindestens 40 mal größer als der größte Fluch meiner Feinde.

Die schwarze Wand bekam ein Maul und schnappte nach meiner Insel. Nur durch Glück entkam ich diesem Schnapp. Da riß es sein Maul noch weiter auf und fraß meine Eisenproduktion. Alles. Mit nur einem Schnapp.

Doch es schien immer noch Hunger zu haben. Wieder riß es das Maul auf und Fraß meine Nahrungsproduktion. Ich hatte jetzt nur noch eine halbe Insel!

Eisen und Nahrung waren in nur ein paar Sekunden im Schlund dieses Monsters verschwunden. Langsam bekam ich Angst, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Da kam mir ein Einfall. Ich nahm einige Steine und warf sie auf den Schatten.

Doch auch das half nichts. Die Steine vielen duch den Schatten hindurch ins Meer. Das Monster aber verschlang mit seinem nächsten Schnapp meine ganze Steinproduktion.

Es platschte jetzt hinter mir, überall, gewaltig und das Monster holte zu seinem letzten Schnapp aus. Es reichte jetzt vom Wasser bis zu den Wolken, erfasste mit seinem Maul mich und meine Insel. Ich war in seinem Schlund angekommen und es wurde immer dunkler...

In höchster Not holte ich - es muss wohl mein letzter Reflex gewesen sein - die Rolle Papier von Plünderalles aus meiner Tasche und brach das Siegel. Ich riss das Papier auf. Da war eine Maschine aufgemalt. Da es jedoch dunkel wurde konnte ich nichts mehr von der Beschreibung lesen. Ich sah grademal so noch dieses halbe Wort: ...beschleuniger.

Ja, die Holzproduktion war mir geblieben! Geistesgegenwärtig schmiss ich die gesamte Holzproduktion in den Inselbeschleuniger, setzte ihn in Gang und düste, bevor das Monster das Maul ganz zumachte, aus diesem heraus in die Nacht von Escaria.

Das Holz reichte, um dem Monster zu entfliehen. Der Turbo lief 2 Tage und 2 Nächte auf Hochtouren. Dann glühte er noch mehr und explodierte.

"Das hätte auch ins Auge gehen können." dachte ich.

"War das ein Abenteuer!"

Allerdings frage ich mich noch heute, was das für ein Wesen war und wie es mir gelingen konnte, diesem Ding zu entkommen? So aufregend das auch war, ich wollte in diesem Moment nur noch eins, wegkommen, wegkommen von dieser gespenstischen Meeresecke. :)

Nachtrag: Ja, die Inselquelle, die nur 24 Stunden auftaucht und das Ungeheuer gibt es nicht. Aber sonst ein schönes Spiel welches einem die Zeit verkürzt und ich bin mir fast sicher, meinem alten Freund Plünderalles kann man noch irgendwo begegnen. ;)


Augsust 2010
 

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