Schon die ganze Woche – das muss man sich mal vorstellen – war es morgens etwas kühl, dann kam die Sonne raus und es war, wenn auch nicht sommerlich heiß so doch angenehm warm auf der Haut. Ab nachmittags zogen dicke Wolken auf und schütteten ein- oder zweimal Wasser aus. Und das mit Blitz und Donner. Es wurde kühl. Spät abends, wenn es dunkel wurde, hörte der Spuk dann auf.

Ehrlich, die ganze Woche.

Ich ging zu unserem Festplatz am See. Doch es war schon Nachmittag. Auf halben Weg war die Sonne fast hinter den Wolken verschwunden. Es nieselte und ich überlegte, ob ich auf dem Hacken umdrehe oder mir das antun sollte. Ich hatte aber vorsorglich meine Regenjacke mit Regenkaputze mitgenommen und ging dann weiter. Nur meine Sonnenbrille musste ich bei dem Geplatter abnehmen. Ehrlich jetzt.

Am Ziel angekommen sah ich die große, aufgebaute Bühne, unter welcher sich 5 Musiker schafften. Die Sitzbänke davor waren allerdings alle nass und leer. Etwa 50 Meter entfernt saßen die Leute unter einem überdachten, offen Zelt. Unter den Schirmen und Überdächern der Verkaufswagen mit ihren Angeboten standen hier und dort auch ein paar Leute.

Die Band spielte für die nassen Bänke. Das Wasser nieselte schön gleichmäßig im Rhythmus der Musik.

Ich stand rechts vor der Bühne im Schutz des Daches eines Getränkestandes. Auch hier waren nur eine Handvoll Leute, wo sich sonst Trauben bilden. Nach dem zweiten oder dritten Song bestellte ich mir ein Bier. Eine hübsche Kellnerin bedankte sich dafür. Ich war beeindruckt.

Um so länger ich zuhörte, um so mehr gefiel mir der Gesang. Der Frontman hatte eine schöne Stimme und ein angenehmes, gedämpftes Vibrato. Die Solos spielte er auf einer Strat und auch den Jammerhaken wusste er zu bedienen. Sein Partner legte auf einer Les Paul ebenfalls schöne Soli hin. Ein schöner Klangkontrast zwischen den beiden Gitarren!

Der Keyborder war links der Basser rechts und der Drummer saß hinten in der Mitte.

Drummer und Basser sind immer die Grundsäulen einer Band. Wenn sie nicht Rhythmus halten, klingt die Musik wie die Sirene einer Feuerwehr. Doch sie spielten gut, als ob sie sich in moderne Rhythmusmaschinen verwandelt hätten. Die Bassgitarre verschmolz mit dem Sound des Drummer und dieser hatte einen ganzen Sack voll schönen Turnarounds und Ending-Licks, welche sachte und unerwartet dahinflossen.

Der Keyborder spielte auf einer Hamond-Orgel und einem Kawai-Piano. Spätestens beim Boogiesolo konnte jeder die klangliche Fülle, die klangliche Tiefe – im Unterschied zu einem Plasteboard – wahrnehmen. Jetzt war mir auch klar, warum die Musik der Band schön satt rüber kam und nicht wie Blechkonserve klang. Es war wirklich ein Unterschied zu den anderen.

Ja das war die Geschichte. Bliebe noch zu erwähnen: Die Band war fertig. Die Sonne kam raus. Ich warf noch einen Abschiedsblick zur Kellnerin, kratzte mein Geld für eine CD zusammen und holte sie mir hinter der Bühne. Mit Autogramme. Zu Hause angekommen wollte ich sie gleich am PC anhören, doch irgendwas funktioniert dann immer nicht. Ich kramte einen Tag später meinen WMA MP3 Player raus, machte es mir bequem und zog mir die Musik nochmal rein. 🙂

Ja so ist das. Ein Profi muss immer alles geben, egal ob man vor 1 Million Bänke und einem Zuhörer oder 1 Million Zuhörer ohne Bänke spielt!