Also es ist so weit. Sie möchten sich jetzt unbedingt eine Gitarre kaufen und wissen nun gar nicht, welche die richtige ist oder Sie haben sich im Laden die teuerste, die so gut im Licht funkelt ausgesucht und das Geld schon in der Tasche und zögern jetzt noch: Hat der Verkäufer Sie gut beraten oder will er Sie nur über den Tisch ziehen? Wir wissen ja alle, diese Verkäufer sind doch alles nur Schlitzohren… 😉

Ich gebe hier ein paar Tipps zum Gitarrenkauf. Sie sind meine persönliche Meinung. Es muss sich da niemand dran halten und es kann sehr gut sein, wenn jemand völlig anders über den Gitarrenkauf denkt und es völlig anders macht! Das ist nicht weiter schlimm. Doch da man vor einer großen Anschaffung immer mehr oder weniger unsicher ist und Sie jetzt doch noch zögern, dann helfen Ihnen diese Tipps vielleicht:

  • Um ein Instrument zu spielen, braucht man ein Instrument

Wenn man kein Instrument hat, kann man auch nicht lernen, wie man darauf spielt. Man kann zwar Musikunterricht nehmen und einmal oder zweimal die Woche dann spielen. Besser ist aber, man hat seine  eigene Gitarre zu Hause und kann sie jeder Zeit zur Hand nehmen. Es ist also immer richtig, sich ein Instrument zu kaufen 🙂

  • Man braucht nur eine Gitarre.

Klingt vielleicht banal, aber wie ist die Wirklichkeit? Man holt sich eine Gitarre, dann noch eine, dann noch eine… und hat eine schöne Sammlung Gitarren, welche dann vor sich hinstauben. Besser ist, man kratzt alles Geld zusammen und holt sich gleich eine einzige, aber gute Gitarre 🙂

  • Eine Gitarre muss gut in der Hand liegen.

Spätestens wenn Sie darauf üben merken Sie vielleicht, dass Sie darauf überhaupt nicht spielen können, dass Sie z. B. immer zwei Saiten gleichzeitig drücken, niemals eine. Das bedeutet, die Gitarre hat einfach nicht die richtige Größe oder die richtige Form! Es liegt also nicht an Talentlosigkeit, sondern am falschen Instrument.

(PS: Hier zwei typische Schäden an der Gitarre, die leicht zu vermeiden sind. Wenn Sie beim Kauf eine Gitarre ausprobieren, achten Sie bitte auf genügend leeren Platz zu anderen Möbeln wie Schreibtischkanten usw. Sonst hat man schnell ein Dings-Dongs auf der Gitarre. Hier auf der Vorderseite, der Decke der Gitarre.)

Gitarre Dings-Dongs

(PS2: Machen Sie Ihren Gürtel mit Gürtelschnalle (Jacke mit Nieten, Schmuck…) ab, bevor Sie die Gitarre in die Hand nehmen. Sie sehen dann vielleicht nicht mehr so gut aus, sind aber professionell, weil Sie Ihre Metalbehängung ablegen. Sonst zerkratzen Sie nämlich auf Garantie die Rückseite der Gitarre.)

Gitarre Guertelkratzer

Einerseits gibt es verschiedene Größen von Gitarren und verschiedene Mensurlängen, andererseits sind die Griffbretter auch in der Breite unterschiedlich. Je nach Ihrer Größe und der Größe Ihrer Hand bzw. Ihrer Finger sollte sich die Größe und Breite der Gitarre, der Abstand von Bund zu Band auf der Gitarre richten. Die richtige Größe ist dann gegeben, wenn man jeden Ton einzelnd und leicht spielen kann (Lagenspiel) 😉

(z Zeigefinger, m Mittelfinger, r Ringfinger k kleiner Finger – Finger aufsetzen, Saite normal anschlagen. Hier sieht man, dass die Bundstäbchen unterschiedliche Abstände haben. Die Hand muss sowohl bei den 4 Bundstäbchen wie im Bild (am Gitarrenkörper), aber auch bei den ersten 4 Bundstäbchen alle Finger aufsetzen können. Sonst ist die Gitarre zu groß oder zu klein. Das ist für einen Anfänger aber auch nicht ganz einfach zu bewerkstelligen.)

Gitarre Bundstaebe Abstand

Es kann auch sein, dass sie mit einem anderen Gitarrentyp viel besser zurecht kommen. Vielleicht kamen Sie noch nie mit der E-Gitarre, der klassischen Konzert- oder Flamengogitarre zurecht. Dann probieren Sie die Bassgitarre mit 4 Saiten! – Sie haben alle nicht nur gravierende Klang- sondern auch gravierende Größenunterschiede.

  • eine Gitarre muss Tonrein sein.

Also bei der normalen Giarre mit den 6 Saiten, welche die Saiten E, A, D, G, H und E hat, muss man genau diese Töne auch hören. Die Musik klingt sonst einfach nicht und die Leute hören das sofort, dass da etwas nicht stimmt.

Dazu stimmt man die Gitarre nach Gehör oder mit einem Stimmgerät. Man dreht also oben an den Knöpfen (Wirbel), bis die Saiten so klingen.

Drückt man dann die Saite im 12. Bund runter, muss der Ton wieder zu hören sein. Er klingt dann allerdings höher. Es ist aber der selbe Ton, also jeweils E, A, D, G, H oder E. Auf dem Stimmgerät steht dann z. B. E +10 oder E -20. Das ist die Abweichung.

DIe Einheit wird in Cent angegeben. Die Gitarre hat dann also z. B. +10 Cent oder – 20 Cent Abweichung. Um so größer die Abweichungen sind, um so schlechter ist das Instrument. Dann sollte man es nicht nehmen. Allerdings ist das eine Wisschenschaft für sich, eine Gitarre Tonrein zu bauen und ein paar Cent Abweichung sind erlaubt.

  • Eine Gitarre muss technisch in Ordnung sein.

Z. B. sollten die Knöpfe nicht fehlen, fest an den Achsen sein und sich die Wirbelmechanik leicht drehen lassen. Uf, was für ein Satz!^^

(Mechaniken müssen leicht gehen. Hier sind sie schon abgenutzt.)

Gitarre Mechanik2012-07-30 500x375

Die Bundstäbchen dürfen nicht abgenutzt sein (meist das erste, zweite, dritte Bundstäbchen),

(Man sieht im Bild die ersten 5 Bünde mit Bundstäbchen und rechts den Sattel. Das Griffbrett sieht schlimmer aus, als es ist. Es ist nur leicht abgenutzt. Die Bundstäbe sind auch in Ordnung. – keine Spieleinschränkung. )

Gitarre Griffbrett leicht2012-07-28 500x375

Die Decke darf keine Risse, die Gitarre keine Brüche etc. haben.

(Ein langer Riss unter der E-Saite – Finger Weg vom Kauf)

Gitarre Riss in Decke2012-07-30

Der Hals und der Steg sollten fest am Gitarrenkörper sein.

(Der Hals sitzt fest am Körper. Gutes Teil 🙂 Ist dort ein Spalt – Finger weg vom Kauf. PS: Der Lichtspalt zwischen Decke und Gitarrenhals ist hier bautechnisch gewollt, also nicht defekt.)

Gitarre Halsansatz iO

(Löst sich der Steg bzw. die Brücke, dann Hände weg vom Kauf. PS: Auf Gitarrenfotos von oben (von vorne) sieht man es nicht. Ein guter Verkäufer im Internet zeigt deshalb die Gitarre von allen Saiten, auch von dieser hier.)

Gitarre Bruecke riss2012-07-28

Kommt ein Schnarren oder Scheppern, aber kein sauberer Ton beim Anschlagen der Saiten, muss man die Ursache suchen.

(z Zeigefinger, m Mittelfinger, r Ringfinger k kleiner Finger – Finger Bund für Bund aufsetzen, Saite normal anschlagen. So prüft man alle Bünde. Schnarrt es, Hände weg vom Kauf.)

In den oben genannten Fällen steht meist eine Reparatur mit mehr oder weniger Kosten und zweifelhaftem Ergebnis unmittelbar bevor.  Deshalb lieber die Finger von solchen Gitarren lassen. Allerdings muss man sagen: An der Gitarre kann man auch viel selber machen. So könnte man z. B. die Drehmechanik bei einigen Gitarren noch leicht selber kaufen und anbauen, eine Brücke kleben sollte man bei guten Instrumenten aber auf alle Fälle einem Fachmann überlassen.

Eine Gitarre muss auch nicht gleich schlecht sein, weil sie noch nicht klingt. Es kann z. B. sein, dass die Saitenlage nur zu tief ist, also der Abstand aller Saiten zu nahe am Griffbrett ist. Das ist manchmal gewollt. Dann kann man die Saiten schneller runter drücken, da sie ja einen kürzeren Weg haben und die Barregriffe (vor allem in der 1. 2. und 3. Lage) gehen leichter, aber man darf auch nicht so stark anschlagen, sonst scheppert es gleich. Die Saitenlage lässt sich also verändern und jeder muss für seine Spielweise und Gitarre selbst herausfinden, welchen Abstand er braucht.

Schon das Wechseln der Saiten kann zu einem besseren Ergebis führen. Eine E-Saite ist nicht gleich eine E-Saite. Es gibt verschiedene Saiten-Sätze mit verschiedenen Stärken. So könnte ein Satz Saiten gut klingen, wenn Sie Blues auf der Gitarre spielen, nicht aber wenn Sie eine Melodie oder ein Stück aus der Klassik spielen, weil die Saiten basslastig sind.

Auch alte Saiten klingen nicht gut, sogar grauenhaft, selbst wenn die Gitarre gut gestimmt ist. Das hört man dann schon!

(Typische Abnutzung der Saiten – hier ist die D-Saite über dem 2ten Bundstäbchen kurz vorm zerreißen. Die Metalumwicklung ist sogar schon zerstört. Höchste Zeit, um neue Saiten aufzuziehen.)

Gitarre D-Saite

(Hier habe ich die Saiten schon gelockert. Ich hoffe, man kann die Abnutzung der Saiten durch das Drücken auf die Bundstäbchen erkennen.)

Gitarre Saiten2012-07-28 500x375 abgenutzt

Jeder sollte selber entscheiden, was sie/er sich zutraut und was sie/er lieber einem Gitarrenbaumeister überlässt. Die Wahrheit aber ist: Es bedarf einiger Zeit und Erfahrung, bis man SEIN Instrument fertig hat, also gut drauf spielen kann und dass man SEINEN Klang aus dem Instrument herausholt, auf den man keinen Tag mehr verzichten möchte 🙂

Ich hoffe, Sie sind jetzt voller Zuversicht, sich Ihre richtige Gitarre zu kaufen. Denken Sie aber bitte daran, es gibt zwei Arten von Instrumenten: Die einen sehen schön aus und funkeln in der Sonne, auf den anderen kann man spielen 😉